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Lipome: Unschön, aber meist harmlos

Lipome sind Fettgeschwülste, die häufig an Rücken, Hals oder Schultern auftreten. Weshalb eine Operation nur selten nötig ist
von Dagmar Fritz, 08.12.2017

Knubbel unter der Haut? Lipome sind meist harmlos

Your Photo Today/A1Pix

"Lipome sind eine Vermehrung und Vergrößerung von Fettzellen des Unterhautfettgewebes", erklärt Dermatologe Dr. Alexander Konstantinow, Oberarzt der Dermatochirurgie am Klinikum rechts der Isar in München. Besonders häufig treten die Fettgeschwülste bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr auf. Typischerweise finden sie sich an Rücken, Kopf, Hals oder an den Schultern.

Mediziner unterscheiden zwischen oberflächlichen und tiefer liegenden Lipomen. "Beim Tasten spürt man, dass die meisten Lipome ziemlich oberflächlich unter der Haut liegen. Sie können eine weiche oder auch etwas härtere Struktur haben und lassen sich leicht verschieben", erklärt der Experte.

Lipome sind gutartige Fettgeschwülste im Unterhautfettgewebe, die unter anderem an Rücken, Hals und Armen vorkommen können

W&B/Szczesny

Ursachen noch nicht bekannt

Lipome treten bei Männern und Frauen auf – Männer sind etwas häufiger betroffen. Warum der Körper Lipome bildet und weshalb manche Menschen zu ihnen neigen und andere nicht, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Übergewicht, hohe Blutfettwerte oder schlechte Ernährungsgewohnheiten haben – soweit man heute weiß – nichts mit der Entstehung oder dem Wachstum von Lipomen zu tun. Das ist auch der Grund, weshalb nach einer Diät die Geschwülste nicht – wie andere Fettpölsterchen – wegschmelzen, sondern unverändert bleiben. Auch Massagen oder Salben haben keinen Einfluss.

Genaue Untersuchung wichtig

Lipome wachsen sehr langsam. Mit den Jahren können sie jedoch mehrere Zentimeter umfassen, in seltenen Fällen sogar Faustgröße erreichen. "Oberflächliche Lipome haben in 80 Prozent der Fälle einen Durchmesser von kleiner als fünf Zentimetern", so Konstantinow. Bei der Untersuchung tastet der Dermatologe zuerst die Geschwulst ab, danach beäugt er die Stelle per Ultraschall. Weitere bildgebende Verfahren können nötig sein, um Größe, Sitz und Struktur des Lipoms zu erfassen. Für die Therapie ist dies entscheidend, denn so kann der Arzt ausschließen, dass es sich um eine Zyste oder eine andere Geschwulst handelt.

Bis zu 10 Prozent der Lipome liegen in der Muskulatur unterhalb der normalen Fettschicht. "Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer höher, denn solange tief sitzende Lipome keine Probleme bereiten, bleiben sie oft unbemerkt und werden nur als Zufallsbefund durch eine radiologische Untersuchung entdeckt", so die Erfahrung des Dermatochirurgen.

Besonders oft finden sich intramuskuläre Lipome – die wesentlich schlechter zu verschieben sind – im Bereich der Stirn, des Nackens und der Schultern.


Liposarkome: Sehr selten, aber bösartig

Die meisten Lipome sind harmlos. Nur selten sind sie bösartig. Das trifft in etwa bei einem von hundert Fällen zu. Dann sprechen Mediziner von einem Liposarkom. "Typisch für bösartige Fettgeschwülste sind schnelles Wachstum und Druckschmerzen", so Hautarzt Konstantinow. "Ein Liposarkom lässt sich nicht gut verschieben, weil es mit dem umliegenden Gewebe verwachsen ist." Liposarkome treten häufiger ab dem 50. Lebensjahr auf und bilden sich vorwiegend am Rücken und im Nacken. "Auch bei großen, tiefliegenden und langsam wachsenden Lipomen ist es wichtig sicherzustellen, dass kein bösartiges Liposarkom entsteht", sagt Konstantinow. "Dies lässt sich zunächst mit bildgebenden Methoden wie einer  Kernspintomografie überprüfen."

Entfernung nur selten nötig

Solange Lipome unproblematisch sind, müssen sie nicht entfernt werden. Aufgrund ihrer Lage oder ihrer Größe können sie jedoch manchmal Beschwerden bereiten. "Manche Lipome drücken auf Nervenbahnen, Sehnen, Muskeln und Blutgefäße und verursachen dadurch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen", erklärt Konstantinow.

Viele Betroffene fühlen sich optisch von dem "Knubbel" gestört – besonders, wenn das Lipom an einer gut sichtbaren Stelle am Körper sitzt. Dann hat die Behandlung rein kosmetische Gründe. "In diesem Fall sollte man sehr genau nachfragen, was der Patient sich von der Operation erwartet", sagt der Dermatologe. "Die Operation hinterlässt eine Narbe. In manchen Fällen ist diese auffälliger als ein kleines Lipom." Bei rein kosmetischen Eingriffen muss der Patient die Kosten für die Operation selbst tragen.

Wer sich an seinem Lipom stört, der sollte einen Hautarzt oder einen Chirurgen aufsuchen, denn entfernt werden kann ein Lipom nur operativ. "Abhängig davon, wie groß es ist, welche Struktur es hat und an welcher Körperstelle es sitzt, gibt es unterschiedliche Techniken, es zu entfernen", erklärt Konstantinow. Häufig setzt der Arzt einen kleinen Schnitt und drückt oder zieht die verkapselte Fettgeschwulst aus der Wunde. Dabei genügt in der Regel eine örtliche Betäubung.

"Die komplette Geschwulst muss mit seiner feinen Kapsel beseitigt werden, sonst kann sich nach einiger Zeit an der gleichen Stelle ein neues Lipom bilden", sagt der Experte. "Wichtig dabei ist, dass die Wunde mehrschichtig vernäht werden muss, um Hohlräume unter der Haut zu vermeiden." Wenn die Geschwulst nicht zu groß ist und direkt unter der Haut sitzt, ist die Operation einfacher.

Manchmal ist Absaugen möglich

In manchen Fällen ist auch ein Absaugen möglich, bei der nur sehr kleine Narben zurückbleiben. Lipome, die sich fest anfühlen, haben einen hohen Anteil an Bindegewebe und lassen sich schlecht absaugen. Ein erfahrener Operateur erkennt schnell, welche Technik sich am besten zur Entfernung eignet. Liegt ein Liposarkom vor, erfordert dies eine spezielle Therapie, die in einem erfahrenen Zentrum stattfinden sollte.

Dass man die unschönen Knubbel ein für alle mal los ist, dafür gibt es keine Garantie. Denn auch nach einer Operation können sich an anderen Körperstellen weitere Lipome bilden.



Bildnachweis: Your Photo Today/A1Pix, W&B/Szczesny

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